Die Baustellenkinder
Seit Herbst werkelt, hämmert und rumort es bei uns im Kindergarten an allen Ecken und Enden - ein neues Projekt ist im Gange! Das Baustellenprojekt Ende Oktober 2010 fiel den Erzieherinnen auf, dass eine feste Kindergruppe im Garten im Gebüsch spielt. Als die Kinder darauf angesprochen wurden, nannten sie diesen Ort "Baustelle" und agierten dort auch als Bauarbeiter. Diese Baustelle befindet sich nun, nach einigen anfänglichen Ortswechseln, an der Fußballwiese am Zaun zur Leonhard-Frank-Schule.
Mit der Zeit stellte sich heraus, dass ein Kind der Chef war - wie genau es dazu kam, wusste niemand mehr. Doch das war auch für die Kinder so in Ordnung. Innerhalb dieser Gruppe wurde auch klar besprochen, wer der 2. und 3. Chef ist, wenn der 1. Chef nicht da ist. Aufgrund dieser Beobachtung und dem wachsenden Interesse am Thema Baustelle, versammelten sich alle beteiligten Kinder mit zwei Erzieherinnen in der Bücherei zu einem Gespräch - und das Projekt war geboren. Von nun an traf sich die Projektgruppe "Baustelle" 3x wöchentlich, um sich über die weitere Vorgehensweise zu besprechen. In einer Abstimmung entschied die Gruppe, ein eigenes Kinderhaus für den Garten aus Holz zu bauen. Doch wie sollte es nun weitergehen? Nach kurzer Überlegung wo es Holz gibt, kam der Vorschlag, zum Baumarkt zu gehen, um sich dort nach Materialien und Kosten zu erkundigen.Um eine genauere Vorstellung von einem kleinen Holzhaus zu bekommen, machten sich alle Kinder mit einer Erzieherin auf den Weg zu einem der Kinder nach Hause. Dort konnte ein selbstgebautes Gartenhäuschen angeschaut werden. Die Kinder waren sehr überrascht, dass das Haus in unserem Garten nach kleiner werden soll. In ihrer Vorstellung sollte ein Haus, ähnlich groß wie unser Kindergarten entstehen. Das dies nicht möglich ist, konnten sich nach genaueren Überlegungen schließlich alle vorstellen. In den wöchentlichen Projektgruppen wurden jedesmal aktuelle Themen besprochen. Auch das Thema "Chef - der Chef sein" beschäftigte die Kinder in jeder Besprechung. Die aufgestellte Regelung vom 1. Chef und seinen zwei Vertretern wurde von den Kindern alleine aufgestellt und auch akzeptiert. Doch auch das praktische Tun sollte nicht zu kurz kommen. Trotz Winter, Matsch und Kälte wollten die Kinder schließlich arbeiten und vorankommen!  Also wurden in einem Nebenraum auf dem Dachboden des Kindergartens eine Holzwerkstatt eingerichtet. An der Werkbank können 3 Kinder gleichzeitig arbeiten. Zuerst übten die Kinder den Umgang mit Hammer und Nägeln, in der zweiten Runde wurde das Sägen ausprobiert und an dritter Stelle folgte der Einsatz der Raspel. Eine Mutter und ein Vater brachten uns Holzreste zum Üben mit und die Kinder stürzten sich mit Begeisterung darauf. Auch andere Methoden und Ideen wurden bereits aufgegriffen. An einem Vormittag beispielsweise bauten die Kinder Häuser auf Lego in kleinen Arbeitsgruppen, an einem anderen Tag malten sie im Atelier ein Haus nach ihren Vorstellungen.
 Die lange Winterzeit und das Warten auf das "richtige Bauen" machten unsere Projektkinder zunehmend unruhiger. So war es Ende Januar 2011 notwendig, dass sich alle Projektkinder gemeinsam mit zwei Erzieherinnen trafen, um Gesprächsregeln für das gemeinsame Tun festzuhalten. So sollte sichergestellt werden, dass jedes Kind die Chance hat, sich zu Wort zu melden und erstgenommen zu werden. Die Regeln wurden mit den Kindern formuliert und schriftlich festgehalten. Jedes Kind hat im Anschluss die Regeln unterschrieben und damit zugesagt, sich an diese zu halten.
Ein Projekt besteht immer aus vielen kleinen Teilschritten und Überlegungen, und auch die Richtung entwickelt sich im Dialog mit den Kindern. Aktuell ist der Stand so, dass sich bei unserem letzten Treffen alle Kinder im Büro trafen. Eines von ihnen rief daraufhin bei der Schreinerei Dürr in Rottenbauer an, um zu fragen, ob sie Abfallholz für uns haben. Wir wurden eingeladen vorbeizukommen, um uns selbst das Holz auszusuchen. Dies wird unser nächster Schritt sein, und so sind wir alle gespannt. wie sich das Projekt weiterentwickelt.
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